Als Newcomer auf der Designers‘ Open

Nich kleckern, klotzen!Hand hoch, wer sich traut, drei Tage lang Auge in Auge seinem Publikum gegenüberzustehen, Fragen zu beantworten und seine Werke zu zeigen? Gar nicht so ohne, sich tatsächlich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, ganz persönlich, ohne schützende Galerie um sich herum und ohne den unendlichen Abstand übers Internet. Gleichzeitig eine unglaublich spannende und lehrreiche Erfahrung – drei Tage unmittelbare Reaktionen und interessante Gespräche.

Ich hatte das Glück, bereits zwei Mal auf der Leipziger Kunstmesse und bei diversen kleinen Gelegenheiten ausstellen zu dürfen. Dennoch war ich gerade noch neu genug, um mich für den sogenannte „Newcomer Catwalk“ der Designers‘ Open bewerben zu können. Die Design-Messe wird von der Leipziger Messe organisiert und hat sich über die Jahre als feste Größe etabliert. Mit dem Veranstaltungsort in der Kongresshalle am Zoo könnte sie auch kaum zentraler liegen. An Besuchern dürfte es also keinesfalls fehlen, dachte ich mir, als ich meine Bewerbung per Formular absendete.

Drei Quadratmeter mitten im Getümmel

Als ich ein paar Wochen später die Bestätigung erhielt, stand ich gerade in der Bahn. Die Kuratierung war also überstanden und nun konnte es losgehen! Das Lächeln im meinem Gesicht konnte ich für den Rest des Tages nicht mehr abstellen. Aufregung machte sich breit. Der Platz auf dem Newcomer Catwalk ist drei Quadratmeter groß. Drei Quadratmeter, die gut ausgenutzt und sorgsam gestaltet werden wollen. Der Stand selbst inklusive Tisch wird den Newcomern gestellt, die Standmiete ist ebenfalls reduziert, um den Neulingen den Einstieg zu erleichtern. Welche Bilder würde ich wählen? Wie kann ich sie anbringen? Fragen über Fragen.

Merch & stuff

Nach einigen Telefonaten mit dem Messe-Team stand der grobe Plan für den Stand, einige Dinge wie Haken, Seile, einen Stuhl und eine Staffelei musste ich noch besorgen, einige Drucke bestellen. Aufgrund des geringen Platzes würde ich zum ersten Mal auch kleinformatige Drucke auf Hahnemühle FineArt Papier zeigen und nur zwei meiner sonst üblichen großen Formate auf Alu Dibond mitbringen. Da ich mich wie üblich nicht entscheiden konnte, welche Bilder nun genau, würde es noch bis wenige Tage vor der Messe Nachbestellungen geben. Nervosität macht impulsiv! Mich zumindest! Je näher die Messe rückt, desto größer wird die Aufregung. Natürlich sind Visitenkarten das Allerwichtigste, daneben hatte ich noch kleine Gimmicks wie Pins und Taschenspiegel, sowie kleine Bücher mit meinen Motiven zum Durchblättern vorbereitet.

Neulinge unter sich
Zeit des Aufbaus

Am Donnerstag, einen Tag vor Eröffnung der Messe, bezog ich meinen Stand. Wie ich schnell merkte, war die Lage perfekt. Im Großen Saal fast direkt neben der Bühne konnte man kaum übersehen werden. Insgesamt ist die Messe auch größer als ich vermutet hatte. Es gab sowohl im Untergeschoss, also auch im Obergeschoss und in vielen Nebenräumen Stände zu entdecken. Noch dazu fanden an verschiedenen Standorten der Stadt dazugehörige Events statt.

Meine Standnachbarn waren junge Designer in anderen Gebieten, Renee Sophie van Laak aus Leipzig präsentierte unter dem Namen „Resola“ ihre handgefertigten, ausgefallenen Schmuckstücke, Lea Thiele aus Hamburg mit ihrem Modelabel „Staylight“ konnte sich an ihrem Stand ebenfalls vor Besuchern kaum retten. Antje Lempart-Ober brachte mit „Ilumio Jewels“ Schmuck aus Austern zum Leuchten.

Besucherströme, Mode und mehr

Ah, und die Fashion Show natürlich! Schon beim Aufbau am Donnerstag konnte man Großes vermuten, als bei der Generalprobe die Models mit Haarschmuck und destroyed Jeans über den Laufsteg schritten. Dazu dröhnende Bässe und immer wieder eine Stimme übers Mikro, die unüberhörbar und sehr gelassen Anweisungen gab. Zur Vernissage am Freitag Abend kam dann alles zusammen: geladene Gäste, Freigetränke, Musik, Licht und experimentelle Kleiderkreationen. Studenten der Freien Akademie Köln in Kooperation mit Accademia Albertina di Belle Arti di Torino zeigten Zweige und Blütenranken auf Seiden, Tüllen und Satins. Am Samstag um 14.30 Uhr kam ich dann erneut in den Genuss der Show, natürlich von meinen Stand aus.

Drei Tage hintereinander von 10-18 Uhr drängten sich Interessierte durch den Saal, den Stuhl hätte ich beinahe nicht gebraucht. Es gab wenige Phasen, in denen der Besucherstrom nachließ. Ältere Herren rückten ihre Brille zurecht und betrachteten vorgebeugt meine Bilder. Schüler und Studenten stöberten neugierig durch meine Bücher, Fotografen kamen auf einen Schwatz an meinen Tisch, dekorierte Damen inspizierten das Ausgestellte, Mütter fingen ihre Kinder wieder ein, die am Stand gegenüber Hallorenkugeln stibitzt hatten.

Man sollte annehmen, dass ich ja nun wirklich genug Bilder habe, aber ich habe es mir nicht nehmen lassen, trotzdem ein Neues zu kaufen, nämlich einen der Drucke von „Siebfreak und Roy“, und ja, allein wegen des Namens wäre es das schon wert gewesen. Und so konnte ich selbst wieder erleben, wie gut es sich anfühlt, etwas mitzunehmen, das einen nicht nur an das Event erinnert, sondern auch die Wohnung verschönert, und dabei gleichzeitig junge Kunst unterstützt zu haben.

Kunst aus Leipzig, Designers Open
Es ist vorbei!

Alles in allem aufregende (ja, ich überstrapaziere das Wort) drei Tage, ich habe enorm viel positives Feedback bekommen, Neues entdeckt und Kontakte geknüpft. Im Prinzip hatte ich kaum eine ruhige Minute, aber dank der entspannten Atmosphäre war es eigentlich im Vorfeld viel stressiger als währenddessen. Auch der Abbau lief wie am Schnürchen, Kistchen gepackt und ab ging es wieder nach Hause. Das ist wohl der Vorteil, wenn man mit kleinem Besteck vor Ort ist. Wer es übrigens nicht geschafft hat, an meinem Stand vorbeizuschauen, ich hab sicherheitshalber einen kleinen Shop eingerichtet. 😉
Nun folgt noch etwas Aufarbeitung und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja im nächsten Jahr wieder!

Wer von euch war schonmal da und wie hat es euch gefallen?

 

 

2 Gedanken zu „Als Newcomer auf der Designers‘ Open

  1. Hallo Jea, Danke für Deinen tollen Artikel.
    Wir haben uns ja getroffen, ich war im Keller zu finden. Du hast vollkommen Recht, die 3 Tage vergehen wie im Flug und der Aufbau ist am kompliziertesten. Schließlich macht man das nicht alle Tage und will sich und seine Werke von der Schokoladenseite zeigen.
    Doof war auch, dass ich für den Abbau zwar Helfer organisiert hatte, aber den Akku-Schrauber samt Torx-Bit vergessen hatte. Aber auf einer Messe findet sich zum Glück alles. Freue mich auf das nächste Jahr mit Dir auf der Desginers Open.

    1. Ohje 😀 Was man dann am Ende doch so alles vergisst! Das erklärt, warum ich am Sonntag fast nix mehr von dir gehört hab. War jedenfalls schön mit dir und dem Gin und mal sehen, was und wie im nächsten Jahr wird! <3

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